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P R E S S E M I T T E I L U N G

 

Digitalisierung und Schule:

Der schöne Schein ist allzu trügerisch

Renommierter Experte warnt vor Risiken und Nebenwirkungen für den Bildungsbereich

 

Seit einem Jahr gibt es einen Zusammenschluss von fünf überregionalen Elternverbänden*, die die Bürger in NRW über Bildungsfragen und Schulpolitik informieren und mit ihnen diskutieren möchten. Für ihr diesjähriges Forum am 5.7.2018 hatten sie ein brisantes Thema gewählt – und einen unerschrockenen Experten gewonnen: Prof. Dr. Ralf Lankau, Medienwissenschaftler aus Offenburg und Autor des Buches „Kein Mensch lernt digital“.

Lankau stellt der derzeitigen Digitaleuphorie eine realistische und kritische Sichtweise gegenüber. Versprochen werde wachsende Freiheit und Erleichterung, ernten würden wir aber vor allem totale Überwachung und Steuerung. Im Bildungsbereich sei das besonders brisant: Lernende degenerierten zum umfassenden Datensatz, ihr Lernverhalten werde bis ins Kleinste erfasst und abgespeichert, Bildungsgüter automatentauglich zerhackt. Hingegen könne sich humane Bildung nur als offenes, beziehungsgestütztes Lernen vollziehen. Die empirische Unterrichtsforschung – nicht zuletzt die derzeit weltgrößte Metastudie von John Hattie – zeige denn auch keinerlei Verbesserung der Lernqualität durch Technologie.

Es sei zu befürchten, dass der aktuell vieldiskutierte Digitalpakt versteckte Absichten verfolge:  nicht nur Lehrer durch Software zu ersetzen, Prüfungen zu automatisieren, Bildungsinhalte durch Konzerne statt durch Bürgervertreter zu steuern; auch unmerklich jede Regung unserer Kinder und Jugendlichen zu erfassen, abzuspeichern und profitmaximierend zu nutzen. Für die IT-Industrie winke jetzt ein riesiges Geschäft – und für viele andere Machtakteure demnächst die optimierte Steuerung. Unkontrollierte Digitalisierung sei die aktuelle Form der Gegenaufklärung.

Professor Lankau befürwortete durchaus zusätzliche Milliarden im Bildungsbereich – sie müssten aber ohne Lobbysteuerung und mit pädagogischem Bedacht ausgegeben werden können. Und das schließe keineswegs technologische Innovationen aus – nur müsse das Digitale ein Handwerkszeug bleiben, statt zur allgegenwärtigen Lehrmaschine zu entarten, die frontal auf die Lernenden einwirkt.

Der Experte regte an, Digitalisierung insbesondere im Schulischen neu zu denken. Er ermutigte Lehrer und Eltern, sich jeder Digitaleuphorie entgegenzustellen, nach dem tatsächlichen Nutzen digitaler Hilfsmittel zu fragen, sich für sparsamen Datenumgang und kontrollierbare Speicherung einzusetzen. Er wisse, dass das nicht einfach sei, aber hier gegenzuhalten würde sich für unsere Kinder lohnen. Die gerne belächelte DSGVO sehe er deshalb als Chance, das Schulverbot privater Smartphones in Frankreich sei für ihn ein Hoffnungsschimmer. Weitere konkrete Hinweise für Pädagogen können Interessenten den Folien von Prof. Lankau entnehmen (über den Veranstalter).

Trotz Schwüle und Schuljahresendmüdigkeit verfolgten ca. 170 Eltern und Lehrer fast zweieinhalb Stunden lang Vortrag und Diskussion in der Aula des Elisabeth-von-Thüringen-Gymnasiums in Köln.

* “Eltern für eine gute Schule“, „Landeselternschaft der Gymnasien in Nordrhein-Westfalen e. V.“, „Elternverein Nordrhein-Westfalen e.V.“, „Landesverband NRW der Eltern und Förderer sprachbehinderter Kinder und Jugendlicher e. V.“, „wertevoll wachsen“.

 

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Offener Brief an die Landesregierung von Nordrhein-Westfalen

 

Geben Sie uns das Vertrauen in die Bildungspolitik zurück!

In den vergangenen Jahren wurde das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger in das staatliche Bildungswesen fundamental erschüttert. Die Wählerinnen und Wähler in NRW haben der neuen Regierung den Auftrag erteilt, dieses verlorene Vertrauen wiederherzustellen.

Damit unsere Schulen wieder gute Schulen werden, fordern wir Eltern und Lehrer:

  • Kein „Schreibn nach Gehöa“!
    Stärkung der Grundfertigkeiten im Rechnen, Lesen und Schreiben in der Grundschule, inklusive Erwerb einer Schreibschrift.
  • Rückkehr zu Leistungsorientierung und realistischen Noten!
  • Rückkehr zu flächendeckendem G9!
    Lernen braucht Zeit. Nicht nur für die Aneignung von Wissen, auch für Neugier, Diskussion, Kreativität und Persönlichkeitsbildung.
  • Lehrer – statt nur Lernbegleiter!
    Rehabilitierung des Lehrers als Unterrichtender und Erziehender. Stopp des „Selbstgesteuerten Lernens“.
    Orientierung der Lehreraus- und weiterbildung an gesicherten empirischen Befunden (siehe z.B. Hattie-Studie).
  • Moratorium der Inklusion!
    Die überhastete und unterfinanzierte Einführung der Inklusion wird niemandem gerecht. Ab jetzt Inklusion nur noch an gut ausgestatteten Schwerpunktschulen; Förderschulen müssen flächendeckend erhalten bleiben.
  • Bildung lebt von Vielfalt!
    Das gelingt nicht durch immer mehr Einheitsschulen. Erhalt aller bestehenden Schulen des gegliederten Schulwesens, keine Umwandlung weiterer Schulen in Sekundar- / Gesamtschulen.
  • Bildung statt Kompetenzen!
    Ausrichtung der Lehrpläne an einem sachlogischen Aufbau und an entwicklungs-psychologischen Erkenntnissen. Weg von der inhaltsleeren Kompetenzorientierung. Zurück zur Wissenschafts- und Lernzielorientierung.
  • Kinder lernen nicht digital!
    Digitalisierung gemäß dem pädagogisch Sinnvollen − nicht orientiert am technisch Möglichen.
  • Schluss mit PISA und Co!
    Bildung lässt sich nicht vermessen. Keine Output-orientierte Steuerung des Bildungsprozesses durch dauerndes Testen.
  • Schule ist kein Unternehmen!
    Keine Übertragung unternehmerischer Modelle auf Schule. Unsere Schüler sind kein Humankapital.
  • Bildung ist eine staatliche Aufgabe!
    Heraushalten von externen Akteuren wie Stiftungen und Beratungsunternehmen aus der Schul- und Bildungspolitik.
  • Keine Maulkörbe für Schulleiter und Lehrer!

Unsere Kinder haben nur eine Schulzeit. Wir erwarten, dass Sie Ihre Verantwortung wahrnehmen und in der Bildungspolitik wieder den legitimen Bedürfnissen der Menschen im Land verpflichtet sind, wie es unserer demokratischen Kultur entspricht.

Nach der Wahl ist vor der Wahl.

Initiative „Eltern für eine gute Schule“   |   Landeselternschaft der Gymnasien NRW e.V.  |   wertevoll wachsen e.V.

 

 

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Herzlich willkommen auf unserer Homepage

Mit dieser Web-Seite wollen wir vor allem Eltern, aber auch andere Bürger ansprechen, denen die Entwicklung ihrer Kinder und der nächsten Generation am Herzen liegt und die spüren, dass die Kinder in der Schule immer weniger Unterstützung beim Lernen bekommen.

Die auf dieser Homepage angebotenen Informationen sollen Ihnen ermöglichen, sich ein eigenes Bild  zur Situation der seit Jahren laufenden Schulentwicklung in NRW zu machen. Damit wollen wir Ihnen helfen, auf die Gestaltung der Schulen und des Unterrichts im Interesse einer guten Bildung  unserer Kinder Einfluss nehmen zu können.

Wenn Sie mit uns Kontakt aufnehmen bzw. mit uns zusammenarbeiten wollen, würden wir uns sehr freuen.